Die Welt ist ein mysteriöser Ort mit so vielen verschiedenen, pulsierenden Kulturen. Aber dank der modernen Technologie ist es mittlerweile ein Leichtes, jeden überall auf der Welt zu kontaktieren. Zwischen über 7 Billionen Menschen auf unserem Planeten gibt es aber trotzdem noch eine Hand voll Stämme, die unsere modere Art des Lebens nicht unterstützen, oder nicht verstehen und so bleibt ihr isoliertes Leben unberührt. Aber eine menschliche Eigenschaft wird sich wohl nie ändern und das ist der Drang zu erforschen und das Unbekannte zu verstehen. Aus diesem Grund versuchen einige Menschen immer wieder auch die am meisten isolierten Stämme zu besuchen, nur um zu sehen, wie anders ihre Art zu leben ist.

1991 schaffte eine Gruppe, um eine Anthropologin, das Unmögliche und stellte friedlichen Kontakt zu dem isoliertesten Stamm auf unserem Planeten her – den Sentinelesen

Madhumala Chattopadhyay war Teil einer Expedition mit einem Ziel – Kontakt zu dem Stamm herstellen und zu erfahren, wie das isolierteste Volk der Welt lebt, das bekanntermaßen gefährlich und aggressiv ist. In einem Interview erklärt Madhumala später: “In meinen 6 Jahren, in denen ich zu den Andaman Völkern geforscht habe, hat sich kein Mann respektlos mir gegenüber verhalten. In ihrer technologischen Entwicklung sind die Stämme vielleicht primitiv, aber sozial sind sie uns weit voraus.”

Der Stamm lebt auf den Andamanen im Indischen Ozean

Sie sind Teil des Volks der Andamanen, zu denen auch Stämme wie die Onge, Shompen und Jarawa gehören. Und auch, wenn die Stämme relativ nah zu einander leben, ist ihre Kommunikation mit der modernen Welt sehr unterschiedlich. Der Jarawa Stamm ist bekannt dafür der Offenste von ihnen zu sein, aber die Sentinelesen werden als die gefährlichsten und zurückgezogensten eingestuft.

North Sentinel Island zu besuchen ist nicht nur gefährlich, sondern auch illegal

Wegen diverser Beispiele von fehlgeschlagenen freundlichen Kontaktversuchen, hat die indische Regierung beschlossen den Stamm allein zu lassen. Und das Besuchen der Insel kann auch tödlich für die Ureinwohner sein, weil Menschen viele Bakterien und Viren einschleppen könnten, gegen die das Volk nicht immun sind.

Vor Kurzem wurde in den Medien umfangreich von einem jungen christlichen Missionar names John Chau berichtet, der versuchte in das Gebiet der Sentinelesen einzudringen, was in seinem tragischen Tod endete. Dieser schreckliche Vorfall beweist aufs neue, dass der Stamm nicht gestört werden möchte.

Und auch, wenn über eine erfolgreiche Expedition, geführt von Mr. Pandit, bereits berichtet wurde, wissen nur die Wenigsten von den unglaublichen Erfolgen von Madhumala Chattopadhyay.

Bildquelle: Probashionline

Seit sie 12 Jahre alt war, wollte Madhumala diese isolierten Menschen kennen lernen. Nachdem sie ihre Schule als Klassenbeste abschloss, begann sie ihr Anthropologie Studium an der Universität von Kalkutta. Sie erklärte ihren Eltern später, dass ihr Anthropologie Studium ihre ‘Eintrittskarte zu den Ongers’, einem der Stämme auf den Andamanen, gewesen sei.

Madhumala ist eine der wenigen Menschen, die es schafften friedlichen Kontakt mit den Sentinelesen aufzunehmen

Ihr Geheimnis? Kokosnüsse. In dem Moment, in dem ihr Boot das Gebiet des Stammes erreichte, warf jedes der Teammitglieder Kokosnüsse als Zeichen des Friedens. Es dauerte nicht lange, bis die Mitglieder des Stammes näher kamen und sogar begannen, die Kokosnüsse einzusammeln. Kurz darauf warf Madhumala sogar noch mehr Kokosnüsse ins Wasser und konnte dann mit dem Stamm zusammen ins Wasser springen. Bis heute ist das einer der seltenen friedlichen Kontakte mit dem Stamm. Es wird angenommen, dass der Schlüssel zu der erfolgreichen Kontaktaufnahme die Anwesenheit einer Frau war. Madhumala hat den Stamm danach noch einmal besucht und dieses Mal waren die Stammesmitglieder noch enthusiastischer und kamen sogar in das Boot, um die Kokosnüsse einzusammeln.

Madhumala hat auch andere Stämme auf den Andamanen besucht. Den engsten Kontakt konnte sie zu den Jarawa aufbauen

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1991 ging sie auf eine weitere Expedition und wurde zur einzigen Frau aus der modernen Welt, die jemals die Jarawa besuchen durfte. Um sie nicht zu verschrecken, wartete Madhumala zunächst auf dem Boot, aber kurz nachdem die Jarawa Frauen sie bemerkten begannen sie “Milale chera” zu rufen, was so viel heißt wie “Freund, komm her.” Sie führten sogar einen Impromptu Tanz auf, um ihrer Begeisterung Ausdruck zu verleihen, dass eine Frau in dem Team ist. Dann kamen die Frauen näher und fingen an Madhumalas Haar und Haut zu betrachten. Niemand erwartete, was die Wissenschaftlerin als nächstes tat. Sie umarmte eine der Frauen des Stammes, um ihre Unterstützung und Freundschaft auszudrücken, was der Stamm sehr positiv aufnahm.

Die Jarawa sind einer der freundlichsten Stämme und die Frauen akzeptierten Madhumala sehr schnell und ließen sie sogar ihre Babies tragen und bei den täglichen Aufgaben helfen. Die Anthropologin ist die einzige Person, die je in die Hütten des Stammes eingeladen wurde und aß sogar zusammen mit ihnen. Sie wurde auch zu einer Ärztin für sie, indem sie half die Wunden der Eingeborenen zu versorgen.

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Und obwohl Madhumala so einen großen Erfolg und Fortschritt in der Kommunikation mit den isoliertesten Stämmen der Welt erzielt hat, wird sie kaum als eine der besten Anthropologinnen unser Zeit anerkannt. Sie arbeitet derzeit im Zentralministerium in Delhi, kümmert sich um alltägliche Administrationsakten und kaum einer weiß von ihrem beeindruckenden Einfluss auf die Kommunikation und das Verständnis der Sentinelesen und des Jarawa Stammes.

Wenn du noch mehr über die Sentinelesen erfahren möchtest, schau dir unser Video über den Stamm an!